mustersanierung.at
Fronius
Gesamtüberblick
 
Executive Summary

Als die Firma Fronius den ehemaligen Industriestandort nahe des Welser Bahnhofs Ende der 1980er Jahre ankaufte, war die weltweite dynamische Aufwärtsentwicklung der Firmensparten noch nicht vorgezeichnet. Das Areal des ehemaligen Landmaschinenherstellers Epple-Buxbaum, bestehend aus Gebäuden der Baujahre 1910 und 1946, wurde erst fremdvermietet, bevor der Beschluss fiel, die weltweite Vertriebszentrale in den historischen Gemäuern unterzubringen. Prokurist Volker Lenzeder, für die Entwicklung des Standorts zuständiger Geschäftsführer, suchte über einen Wettbewerb ein Architektenteam und nahm sich ausreichend Zeit, die Energieeffizienz des Bauprojektes zu entwickeln. Unter dem Stichwort „Energieautonomie˝ wird die Energie zum Heizen, Kühlen, Lüften und Beleuchten von der eigenen Solarstromanlage gewonnen. Voraussetzung dafür ist die Minimierung des Heiz,- und vor allem des Kühlbedarfs, durch Verwendung von Passivhauskomponenten in der Sanierung.

Ausgangszustand
Gebäude
Eigentümer/ Betreiber: Fronius International GmbH

Ansprechpartner / Kontaktpersonen: Volker Lenzeder

Standort: A – 4600 Wels, Buxbaumstraße 2

Gebäudetyp: Gewerbe-/Bürogebäude

Errichtungsjahr Bestandsgebäude: 1900

Größe (BGF): Baulos 3: 838 m2 -> 838 m2
Baulos 4: 1.621 m2 ->1.725 m2

Zustand/ Ausstattung Bestand

Ehemaliges Industriequartier (Landmaschinenhersteller Epple-Buxbaum) aus dem frühen 20. Jahrhundert, teilweise Zerstörung der Gebäude während des 2. Weltkrieges, danach einfach gehaltener Wiederaufbau der zerstörten Teile.

 
 
Motiv für die Sanierung
Mängel/ Schwachstellen/ Probleme im Bestand

Gebäudebestand erfüllt die Erwartung an ein modernes Dienstleistungsgebäude nicht, da weder sommerlich, noch winterlich ein adäquater Arbeitsplatzkomfort (Raumtemperatur, Frischluftzufuhr, Raumaufteilung) gegeben ist.

Anlass für die Sanierung

Entschluss zur Revitalisierung des gesamten Standortes Fronius Wels, als Signal für die Präsenz des Unternehmens im Stadtkern und Hebung der Arbeitsplatzqualität für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

 
Ziele
Vision
Wünsche/Ziele Bauherr

Energieautonome Revitalisierung eines innerstädtischen Industriequartiers unter Reduktion der Primärenergiekennzahl, Erhalt und effiziente Modernisierung des Altbestandes, Komfortgewinn und Steigerung der Behaglichkeit.

Ziele Planer

Hochwärmegedämmte luft- und winddichte Gebäudehülle
Plusenergiekonzept
Reduktion der CO2-Emission um 95%
Reduktion des Primärenergieverbrauches
Erhalt der Außen- Backsteinfassade bei Baulos 3 (Innendämmung)

Kennzahlen
Erklärung der Kennzahlen

Der spezifische Heizwärmebedarf beschreibt die erforderliche Wärmemenge pro Quadratmeter beheizte Bruttogeschossfläche, die ein Gebäude an einem bestimmten Ort (Klima) oder bei einem Referenzklima pro Jahr benötigt, um die Innenraumtemperatur auf 20 Grad Celsius zu halten.

Der Kühlbedarf ist diejenige Nutzenergie, die nötig ist, um die Räume eines Gebäudes beim Auftreten von Überwärmung auf die gewünschte Soll-Temperatur zu kühlen.

Als Heizlast versteht man jene Wärmemenge die notwendig ist, um den Wärmeverlust von Räumen auszugleichen.

Die Kühllast ist eine aus einem Raum abzuführende Wärmelast, die notwendig ist, um einen vorgegebenen Raumluftzustand zu erreichen oder zu erhalten.

 
Heizwärmebedarf HWB/vorherHeizwärmebedarf HWB/nachher

Baulos 3: 199 kWh/( m2a)
Baulos 4: 157 kWh/( m2a)

Baulos 3: 24 kWh/( m2a)
Baulos 4: 15 kWh/( m2a)

Kühlbedarf

Baulos 3: 57,37 kWh/(m2a)
Baulos 4: 52,95 kWh/(m2a)

Spezifische Heizlast

25 W/m2

Spezifische Kühllast

35 W/m2

CO2 Einsparung pro Jahr

126 Tonnen/Jahr

 
Maßnahmen
Gebäudehülle
Bauteilaufbauten

Baulos 3:
Innenwanddämmung 12 cm Zellulose (Erhaltung der Backsteinfassade)
Erneuerung der Dachkonstruktion mit Wärmedämmung U-Wert Dach = 0,1 W/(m2K)
Dämmung des erdanliegenden Fußbodens mit 40cm Schaumglasschotter

Baulos 4:
Fassade: Wärmedämmverbundsystem U = 0,13 W/(m2>K)
Dämmung zu unbeheiztem Keller mit Phenolharz- und Trittschalldämmplatten U = 0,18 W/(m2K)
Dämmung des erdanliegenden Fußbodens mit 40cm Schaumglasschotter

Baustoffe

Zellulose, Schaumglasschotter, Phenolharzdämmplatten

Fensterqualität

Holz-Alu-Fenster 3-Scheiben Isolierverglasung U = 0,5 W/m2K
passivhauszertifiziert

Vermeidung von Wärmebrücken, Anschlussdetails

Fenstereinbau in die Dämmebene, gedämmte Attika, weitgehende seitliche Schirmdämmung der Bodenplatte

Luftdichtigkeitskonzept

Konsequente Führung der luftdichten Hülle zu allen Anschlüssen (Fenster- und Bauteilanschlüsse), Überprüfung der fachgerechten Ausführung durch die örtliche Bauaufsicht, Prüfung durch Luftdichtigkeitstest während der Bauphase.

Haustechnik
Heizung

Hackgut Biomassekessel
Geothermie (Tiefensonden)
dezentrale reversible Wärmepumpe

Kühlung

Geothermie (Tiefensonden)
dezentrale Kompressionskältemaschine
dezentrale reversible Wärmepumpe

Lüftung

Außenluft-Vorwärmung aus Abwärme Serverraum
Geothermie (Tiefensonden): Vorwärmung

Elektro

Photovoltaikanlage
tageslichtoptimierte Beleuchtung

Regelungstechnik

Zentrale Gebäudeleittechnikanlage (EIB Bus)

Energieeffizienz
Maßnahmen zur Effizienzsteigerung

Tageslichtgeregelte Kunstlichtanlage

Abwärmenutzung

Abwärme Serverraum zur Außenluft-Vorwärmung

Nutzung erneuerbarer Energiequellen

Geothermie (Tiefensonden)
Photovoltaikanlage

Besondere Lösungen

Kombinierte Deckenheizung/-kühlung
3 E-Mobil Tankstellen in der neuen Tiefgarage

Ergebnisse
Kosten
Investitionskosten

Gesamtprojektkosten € 15,000.000,- Zur Förderung beantragte umweltrelevante Kosten: € 650.000,-

Förderungen

Forschungsförderung im Rahmen des Programms „Haus der Zukunft Plus˝ des bmvit bzw. der FFG für innovative Bau- und Anlagenteile sowie Messtechnik für intensives Anlagenmonitoring:
Förderbare Projektkosten: € 334.322,-
Fördersatz 37,4%
Förderungsbetrag maximal: € 125.036,-

Kosten je m2 BGF

Ca. 1.300,- €/m2

Dokumentation
Planung
Schema Energiekonzept
 
 
 
Bauphase
Chronologie/Bautagebuch

Sommer 2007: Start der Revitalisierung mit Einbau eines neuen Betriebsrestaurants
Herbst 2007: Start der Sanierung des Baulos 1 (Bürogebäude Froniusstraße)
Jänner 2008: Start Bauarbeiten für Baulos 2 (Tiefgarage und Tiefensondenanlage)
April 2008: Errichtung der 7km Tiefensondenanlage
Sommer 2008: Besiedelung des Baulos 1 (Bürogebäude Froniusstraße)
März 2009: Start Sanierung Baulos 3 (Bürogebäude Buxbaumstraße Süd)
Sommer 2009: Start Neubau Baulos 5 (Bürogebäude Buxbaumstraße Mitte)
Herbst 2009: Besiedelung des Baulos 3 (Bürogebäude Buxbaumstraße Süd)

Saniertes Gebäude
Berichte/Studien/Messdaten im Detail

Das Objekt wird im Rahmen einer „Haus der Zukunft”-Studie messtechnisch untersucht und ausgewertet.

Persönliche Erfahrungen
Planungs-/Bauphase
Bericht zum Planungsprozess

Das Planungsteam (Architekt=Generalplaner, Statik, Haustechnik, Energieplaner, Geotechnik, Bauphysik und örtliche Bauaufsicht) war in ähnlicher Zusammensetzung bereits für 2 andere „Leuchtturmprojekte“ im Bereich der energieeffizienten Gebäude gemeinsam tätig und ist aus der Erfahrung heraus im gemeinsamen Abwickeln von komplexen Projekten geübt. Dadurch wurde die Zusammenarbeit wesentlich vereinfacht, es mussten keine neuen Kommunikationskanäle bzw. persönlichen Beziehungen aufgebaut werden.

Hindernisse im Planungsprozess

Das Ansuchen um wasserrechtliche Genehmigung einer thermischen Grundwassernutzung im größeren Umfang zur Kühlung bzw. Heizung des Gebäudekomplexes wurde planerisch geprüft und mangels Aussicht auf Bewilligung wieder fallengelassen. Hindernis ist die bereits existierende Wärmefahne eines Büro- und Gewerbekomplexes im Grundwasser - Zustrombereich des Grundstücks (ist jedoch kein direkter Nachbar), der im Sommer eine weitere thermische Nutzung verunmöglicht.

Empfehlungen

Eingespieltes Team mit gemeinsamen Referenzen für die Planung.

Nutzung
Nutzungskomfort/Erfahrungen

Hohe Nutzerzufriedenheit im ähnlich gelagerten, bereits seit 2008 besiedelten Baulos 1.
Baulos 3 wurde im Winter 2009/10 besiedelt, Baulos 4 ist noch in Bau bis 2011.

Kontaktdaten
Firma: Fronius International GmbH
Ansprechperson: Volker Lenzeder
Adresse: A – 4643 Pettenbach, Vorchdorferstraße 40