
Als die Firma Fronius den ehemaligen Industriestandort nahe des Welser Bahnhofs Ende der 1980er Jahre ankaufte, war die weltweite dynamische Aufwärtsentwicklung der Firmensparten noch nicht vorgezeichnet. Das Areal des ehemaligen Landmaschinenherstellers Epple-Buxbaum, bestehend aus Gebäuden der Baujahre 1910 und 1946, wurde erst fremdvermietet, bevor der Beschluss fiel, die weltweite Vertriebszentrale in den historischen Gemäuern unterzubringen. Prokurist Volker Lenzeder, für die Entwicklung des Standorts zuständiger Geschäftsführer, suchte über einen Wettbewerb ein Architektenteam und nahm sich ausreichend Zeit, die Energieeffizienz des Bauprojektes zu entwickeln. Unter dem Stichwort „Energieautonomie˝ wird die Energie zum Heizen, Kühlen, Lüften und Beleuchten von der eigenen Solarstromanlage gewonnen. Voraussetzung dafür ist die Minimierung des Heiz,- und vor allem des Kühlbedarfs, durch Verwendung von Passivhauskomponenten in der Sanierung.
Ehemaliges Industriequartier (Landmaschinenhersteller Epple-Buxbaum) aus dem frühen 20. Jahrhundert, teilweise Zerstörung der Gebäude während des 2. Weltkrieges, danach einfach gehaltener Wiederaufbau der zerstörten Teile.
Gebäudebestand erfüllt die Erwartung an ein modernes Dienstleistungsgebäude nicht, da weder sommerlich, noch winterlich ein adäquater Arbeitsplatzkomfort (Raumtemperatur, Frischluftzufuhr, Raumaufteilung) gegeben ist.
Entschluss zur Revitalisierung des gesamten Standortes Fronius Wels, als Signal für die Präsenz des Unternehmens im Stadtkern und Hebung der Arbeitsplatzqualität für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Energieautonome Revitalisierung eines innerstädtischen Industriequartiers unter Reduktion der Primärenergiekennzahl, Erhalt und effiziente Modernisierung des Altbestandes, Komfortgewinn und Steigerung der Behaglichkeit.
Hochwärmegedämmte luft- und winddichte Gebäudehülle
Plusenergiekonzept
Reduktion der CO2-Emission um 95%
Reduktion des Primärenergieverbrauches
Erhalt der Außen- Backsteinfassade bei Baulos 3 (Innendämmung)
Der spezifische Heizwärmebedarf beschreibt die erforderliche Wärmemenge pro Quadratmeter beheizte Bruttogeschossfläche, die ein Gebäude an einem bestimmten Ort (Klima) oder bei einem Referenzklima pro Jahr benötigt, um die Innenraumtemperatur auf 20 Grad Celsius zu halten.
Der Kühlbedarf ist diejenige Nutzenergie, die nötig ist, um die Räume eines Gebäudes beim Auftreten von Überwärmung auf die gewünschte Soll-Temperatur zu kühlen.
Als Heizlast versteht man jene Wärmemenge die notwendig ist, um den Wärmeverlust von Räumen auszugleichen.
Die Kühllast ist eine aus einem Raum abzuführende Wärmelast, die notwendig ist, um einen vorgegebenen Raumluftzustand zu erreichen oder zu erhalten.
| Heizwärmebedarf HWB/vorher | Heizwärmebedarf HWB/nachher |
Baulos 3: 199 kWh/( m2a) | Baulos 3: 24 kWh/( m2a) |
Baulos 3: 57,37 kWh/(m2a)
Baulos 4: 52,95 kWh/(m2a)
25 W/m2
35 W/m2
126 Tonnen/Jahr
Baulos 3:
Innenwanddämmung 12 cm Zellulose (Erhaltung der Backsteinfassade)
Erneuerung der Dachkonstruktion mit Wärmedämmung U-Wert Dach = 0,1 W/(m2K)
Dämmung des erdanliegenden Fußbodens mit 40cm Schaumglasschotter
Baulos 4:
Fassade: Wärmedämmverbundsystem U = 0,13 W/(m2>K)
Dämmung zu unbeheiztem Keller mit Phenolharz- und Trittschalldämmplatten U = 0,18 W/(m2K)
Dämmung des erdanliegenden Fußbodens mit 40cm Schaumglasschotter
Zellulose, Schaumglasschotter, Phenolharzdämmplatten
Holz-Alu-Fenster 3-Scheiben Isolierverglasung U = 0,5 W/m2K
passivhauszertifiziert
Fenstereinbau in die Dämmebene, gedämmte Attika, weitgehende seitliche Schirmdämmung der Bodenplatte
Konsequente Führung der luftdichten Hülle zu allen Anschlüssen (Fenster- und Bauteilanschlüsse), Überprüfung der fachgerechten Ausführung durch die örtliche Bauaufsicht, Prüfung durch Luftdichtigkeitstest während der Bauphase.
Hackgut Biomassekessel
Geothermie (Tiefensonden)
dezentrale reversible Wärmepumpe
Geothermie (Tiefensonden)
dezentrale Kompressionskältemaschine
dezentrale reversible Wärmepumpe
Außenluft-Vorwärmung aus Abwärme Serverraum
Geothermie (Tiefensonden): Vorwärmung
Photovoltaikanlage
tageslichtoptimierte Beleuchtung
Zentrale Gebäudeleittechnikanlage (EIB Bus)
Tageslichtgeregelte Kunstlichtanlage
Abwärme Serverraum zur Außenluft-Vorwärmung
Geothermie (Tiefensonden)
Photovoltaikanlage
Kombinierte Deckenheizung/-kühlung
3 E-Mobil Tankstellen in der neuen Tiefgarage
Gesamtprojektkosten € 15,000.000,- Zur Förderung beantragte umweltrelevante Kosten: € 650.000,-
Forschungsförderung im Rahmen des Programms „Haus der Zukunft Plus˝ des bmvit bzw. der FFG für innovative Bau- und Anlagenteile sowie Messtechnik für intensives Anlagenmonitoring:
Förderbare Projektkosten: € 334.322,-
Fördersatz 37,4%
Förderungsbetrag maximal: € 125.036,-
Ca. 1.300,- €/m2
Sommer 2007: Start der Revitalisierung mit Einbau eines neuen Betriebsrestaurants
Herbst 2007: Start der Sanierung des Baulos 1 (Bürogebäude Froniusstraße)
Jänner 2008: Start Bauarbeiten für Baulos 2 (Tiefgarage und Tiefensondenanlage)
April 2008: Errichtung der 7km Tiefensondenanlage
Sommer 2008: Besiedelung des Baulos 1 (Bürogebäude Froniusstraße)
März 2009: Start Sanierung Baulos 3 (Bürogebäude Buxbaumstraße Süd)
Sommer 2009: Start Neubau Baulos 5 (Bürogebäude Buxbaumstraße Mitte)
Herbst 2009: Besiedelung des Baulos 3 (Bürogebäude Buxbaumstraße Süd)
Das Objekt wird im Rahmen einer „Haus der Zukunft”-Studie messtechnisch untersucht und ausgewertet.
Das Planungsteam (Architekt=Generalplaner, Statik, Haustechnik, Energieplaner, Geotechnik, Bauphysik und örtliche Bauaufsicht) war in ähnlicher Zusammensetzung bereits für 2 andere „Leuchtturmprojekte“ im Bereich der energieeffizienten Gebäude gemeinsam tätig und ist aus der Erfahrung heraus im gemeinsamen Abwickeln von komplexen Projekten geübt. Dadurch wurde die Zusammenarbeit wesentlich vereinfacht, es mussten keine neuen Kommunikationskanäle bzw. persönlichen Beziehungen aufgebaut werden.
Das Ansuchen um wasserrechtliche Genehmigung einer thermischen Grundwassernutzung im größeren Umfang zur Kühlung bzw. Heizung des Gebäudekomplexes wurde planerisch geprüft und mangels Aussicht auf Bewilligung wieder fallengelassen. Hindernis ist die bereits existierende Wärmefahne eines Büro- und Gewerbekomplexes im Grundwasser - Zustrombereich des Grundstücks (ist jedoch kein direkter Nachbar), der im Sommer eine weitere thermische Nutzung verunmöglicht.
Eingespieltes Team mit gemeinsamen Referenzen für die Planung.
Hohe Nutzerzufriedenheit im ähnlich gelagerten, bereits seit 2008 besiedelten Baulos 1.
Baulos 3 wurde im Winter 2009/10 besiedelt, Baulos 4 ist noch in Bau bis 2011.