
Unter dem ambitionierten Motto, das weltweit erste „Null-Energie-Bilanz“ Hotel zu sein, eröffnete das Hotel Stadthalle, nach einjähriger Bauzeit, im November 2009. Michaela Reitterer, die Eigentümerin des Hotels, sieht damit ihr Anliegen, ökologisches Bewusstsein mit ihrem Unternehmerinnentum zu verbinden, erfüllt. Als „Einstiegsdroge“ wirkte bei ihr, die bereits vor einigen Jahren errichtete Warmwasser- Solaranlage am Dach ihres Hotels. Diese führte zur Erkenntnis, dass wir „alle Energie von der Sonne bekommen“ – und diese nur nutzen müssten. Mittlerweile wurde aus dem Bestandsgebäude ein Niedrigenergiehaus, am Grundstück des zugekauften Nachbargebäudes, ein Passivhaus errichtet, Erdwärme über einen Brunnen erschlossen und eine Solarstromanlage gebaut. Nur der, noch nicht durchgestandene Kampf um die Genehmigung eines Windrads auf dem Dach, trennt Frau Reitterer noch von der vollständigen Verwirklichung ihrer Vision.
Hackengasse 18: ungenügende Bausubstanz für Hotelbetrieb
Hackengasse 20: Substanz erhaltenswert, Sanierungsbedürftig, Adaptierung an moderne Hotelraum-Anforderungen
Wärmeschutz, Raumaufteilung und technische Infrastruktur entsprechen nicht den Anforderungen eines modernen Hotelbetriebes.
Errichtung des „ersten europäischen Null-Energie-Hotels“
Maßnahmen Hackengasse 18 – Abriss/ Neubau des Straßentraktes
Maßnahmen Hackengasse 20 – Sanierung des Bestands auf Niedrigenergiehausstandard
Das Boutiquehotel Stadthalle will einen aktiven Beitrag für den Klima- und Umweltschutz leisten und verantwortungsvollen Umgang mit Energie demonstrieren. Die Mission der Betreiberin des Hotels: „Sei Du selbst die Veränderung, die du dir von dieser Welt wünschst.“
Im Energieumsatz weitestgehend auf lokale Ressourcen (Sonneneinstrahlung, Grundwassertemperatur, Windeinwirkung) zurückzugreifen. Erst die Energie die darüber hinaus benötigt wird kommt aus öffentlichen Netzen (Fernwärme, Strom).
Der spezifische Heizwärmebedarf beschreibt die erforderliche Wärmemenge pro Quadratmeter beheizte Bruttogeschossfläche, die ein Gebäude an einem bestimmten Ort (Klima) oder bei einem Referenzklima pro Jahr benötigt, um die Innenraumtemperatur auf 20 Grad Celsius zu halten.
Der Kühlbedarf ist diejenige Nutzenergie, die nötig ist, um die Räume eines Gebäudes beim Auftreten von Überwärmung auf die gewünschte Soll-Temperatur zu kühlen. Als Heizlast versteht man jene Wärmemenge die notwendig ist, um den Wärmeverlust von Räumen auszugleichen.
Die Kühllast ist eine aus einem Raum abzuführende Wärmelast, die notwendig ist, um einen vorgegebenen Raumluftzustand zu erreichen oder zu erhalten.
| Heizwärmebedarf HWB/vorher | Heizwärmebedarf HWB/nachher |
Hackengasse 18: 216,5 kWh/(m2a) | Hackengasse 18: 12,2 kWh/(m2a) |
Hackengasse 18: 10,74 kWh/(m2a)
Hackengasse 20: 9,97 kWh/(m2a)
107 Tonnen/Jahr
Hackengasse 18: Neuerrichtung als Passivhaus: Außenwand: Stahlbeton mit 20 cm EPS Dämmplatten sowie zusätzlicher Innendämmung (7,5 cm Mineralwollklemmplatten) um den erforderlichen U-Wert < 0,15 W/(m2K) zu erreichen (U = 0,118 W/(m2K))
Dachkonstruktion: Ortbeton mit 40 cm Mineralwolldämmplatten U = 0,100 W/(m2K)
Hackengasse 20: thermische Sanierung: Vollziegelaußenwände mit 14 cm EPS Dämmung U = 0,210 W/(m2K) Holzriegelleichtbauwände mit 12 cm Zellulosedämmung und 8 cm EPS U = 0,185 W/(m2K)
Dachkonstruktion: 25 cm Zwischensparrendämmung aus Mineralwolle U = 0,161 W/(m2K)
Stahlbeton, Ziegel, Holz, ausschließlich CO2-geschäumte Dämmstoffe
Hackengasse 18: 3 Scheiben Isolierverglasung U = 0,864 W/(m2K)
Hackengasse 20: Wärmeschutzverglasung U = 1,121 W/(m2K)
Für die Beheizung des Objektes Hackengasse 18 wird eine Wasser-Wärmepumpe vorgesehen. Hierzu wird aus dem Entnahmebrunnen Grundwasser mit einer Temperatur von 10-12°C entnommen und auf 5°C abgekühlt. Die daraus entstehende Wärme im Bereich der Wärmepumpe wird in die Betonkernaktivierung eingebracht und beheizt somit die Zimmer bzw. Obergeschoße. Im Erdgeschoß wird eine konventionelle Fußbodenheizung ausgeführt.
Das revitalisierte Haus Hackengasse 20 behält den vorhandenen Fernwärmeanschluss zur Beheizung.
137 m2 thermischer Kollektor zur Warmwasserbereitung sowie zur Vorwärmung der Aussenluft Lüftungsanlage
Für die Temperierung bzw. Kühlung wird ebenfalls die vorhandene Betonkernaktivierung verwendet. Hierbei wird jedoch Brunnenwasser mit einer Temperatur von 17°C durch die Register geführt. Durch den vorhandenen Elektrobus werden die Raumthermostate zwischen „Heizen“ und „Kühlen“ automatisch nach der Außentemperatur umgeschaltet.
Hackengasse 18: Lüftungsgerät mit Rotationswärmetauscher (85% Rückwärmegrad)
Hackengasse 20: Auf Grund der baulichen Gegebenheiten ist eine mechanische Lüftung nicht realisierbar -> Fensterlüftung, Abluft in den Sanitärzellen.
Warmwasserbreitung über Solaranlage bzw. Fernwärmeanschluss (Warmwasserübergabestationen für die Zimmer), Regenwassernutzung für WC-Spülung
Photovoltaikanlage 10.000 Wp 5 Stk geräuscharme Darrieus - Windräder 34.000 kWh/a optimiertes Beleuchtungssystem: Hochleistungs- LEDs
Instabus EIB-System alle relevanten Komponenten der Heiz-, Kühl- und Lüftungsanlage sowie das Beleuchtungssystem und die Solaranlage sind eingebunden
Installation einer umfassenden Gebäudeleittechnik um alle relevanten Werte zu regeln und visualisieren zu können. Damit wird ein Aufspüren von Abweichungen zum prognostizierten Energiebedarf erleichtert und die Dokumentation des Verbrauchsverhaltens gesichert. Beleuchtungsregelung präsenz- und tageslichtabhängig.
Über die Lüftungsanlage wird ein Großteil der Wärmemenge, die in der Abluft abgeführt wird zurück gewonnen.
Thermische Solaranlage Photovoltaikanlage Windräder (in Planung) Regenwassernutzung Grundwassernutzung
Rücklauf der Direktkühlung wird als vorgewärmter Vorlauf für die Warmwasserbereitung verwendet.
5 gebäudeintegrierte Windkraftanlagen sind geplant.
Das Wasser für die WC Spülungen wird aus einer Nutzwasseranlage, gespeist aus Regenwasser und Grundwasser gewonnen.
2 E-Mobil Tankstellen vor dem Haus.
Gesamtkosten : ca. € 4,300.000,-
Eingereichte umweltrelevante Investitionskosten: ca. € 1,500.000,-
Klimafonds Förderung ca. € 195.000,-
Förderung der Gemeinde Wien für Photovoltaikanlage zugesagt Fördersatz: 30% der Baukosten Förderungsbetrag: noch unbekannt, da abhängig von der noch offenen Gesamtgröße der PV-Anlage.
1.100,- €/m2
Herbst 2008 Start Sanierung Hackengasse 20
Jänner 2009 Abbruch Hackengasse 18
Februar 2009: Brunnenbohrung Hackengasse 18
Juli 2009: Gleichen- Feier Hackengasse 18
Oktober 2009: Abbau des Baukrans
Ende 2009: Gesamtabschluss der Sanierung und des Zubaus
Ein großes Hindernis stellt die Genehmigung der Windkraftanlage auf dem Dach des Hotels dar, da eine solche in Wien noch nicht existiert und die Behörde kein Standardverfahren anbietet. Ebenso hat ein Anrainer aus Bedenken gegen die Lärmentwicklung Einspruch eingelegt, obwohl nachgewiesen wurde, dass die Schallemission im tolerierbaren Bereich und keineswegs über dem Grundschallpegel im dicht verbauten Gebiet liegt.