
Der riesige Energiehunger geht laut Grohmann derzeit vor allem von aufstrebenden Wirtschaftsnationen wie China und Indien aus. Er sieht daher „"eine ungebrochen steigende Nachfrage nach Öl und Erdgas“. Aus seiner Sicht ist ein hoher Ölpreis auch wichtig für die Energie- und Umweltpolitik: Denn dieser stelle die Versorgung sicher und führe zu einem verantwortungsvolleren und effizienteren Umgang mit Energie. „Außerdem rechnen sich viele alternative Energieformen eher erst bei einem hohen Ölpreis, als bei einem niedrigen“, meinte Grohmann. Weizsäcker stellt den Klimaschutz über den Umweltschutz. Dass sich Industriebetriebe, Unternehmen und Konsumenten konstant niedrige Energiepreise wünschen, sei nicht zukunftsweisend und müsse ein Ende haben, fordert er: „Energie sollte in kleinen Schritten, parallel mit dem Fortschritt der Energieproduktivität, teurer gemacht werden.“ Zugleich müsse aber durch ein sozialverträgliches Modell sicher gestellt werden, dass die durchschnittlichen monatlichen Energieausgaben von privaten Haushalten gleich bleiben.
Bei der effizienten Nutzung von Energie seien die Möglichkeiten noch lange nicht ausgeschöpft, sondern um ein Fünffaches steigerbar. „Es muss das Ziel sein, fünf Mal so viel Wohlstand aus einer Kilowattstunde herauszuholen“, erklärte von Weizsäcker: „Technisch ist diese Energieeffizienz möglich, aber unter den Bedingungen billiger Energie wird sie nicht stattfinden - daher benötigen wir höhere Preise.“ Grohmann findet es „gut und richtig, große Anstrengungen in die Weiterentwicklung erneuerbarer Energien zu setzen“. Dennoch bestehe ein deutlicher Unterschied in der Größenordnung. Während heute 80 Prozent der Primärenergie aus fossilen Energieträgern stammen, mache der Anteil der erneuerbaren Energie wenige Prozent aus. „Da stehen wir erst am Anfang und werden in den nächsten Jahrzehnten an Öl und Gas nicht vorbeikommen“, sagte er. Effizienz und Produktivität auf die Nutzung von Energieressourcen anzuwenden, halte er dagegen für eine lohnende Sache. „Wir müssen anstreben, dass wir durch die Erhöhung des Wirkungsgrades weniger Energie brauchen“, sagt Grohmann. Einig waren sich von Weizsäcker und Grohmann auch in der Ablehnung, aus Nahrungsmitteln Treibstoff herzustellen. „Ich finde es perfide, die Probleme der CO2-Emissionen dadurch lösen zu wollen, dass wir Nahrungsmittel knapper und teurer machen“, so Grohmann. Bis die Energiewende erreicht sei, werde es „noch ein sehr schwieriger und langer Weg", meint Grohmann. Von Weizsäcker zeigte sich optimistisch: „Es muss gelingen, ernsthaften Klimaschutz und zugleich Wohlstand zu schaffen.“ Mehr über die EnergieAllianz Austria finden Sie hier. 23.1.2012